Russland-Austausch

Schüleraustausch zwischen dem SMG Ingelheim und dem Gymnasium Nr.4, Wolgograd /Russland

Auch in Zeiten zunehmender politischen Spannungen hält das SMG an seinem Austausch mit dem Gymnasium in Wolgograd (ehemaliges Stalingrad) fest, nachdem die Deutschlehrerin Elena Surkova (Wolgograd) und die Russischlehrerin Bettina Buchner-Naujoks (Ingelheim) sich im Herbst 2013 kennenlernten, einen Partnerschaftsvertrag zwischen den Gymnasien entwarfen und initiierten. Diesen unterschrieben und unterstützten auch die jeweiligen Schulleiter, Frau Tatjana Korytina und Dieter Schacht im November 2013. Damit konnte es es losgehen! Seither sind mehrere bilaterale Freundschaften entstanden, sodass manche Teilnehmer an bis zu vier Begegnungen teilgenommen haben oder sich auch "privat" noch trafen.

Aktuell: Die Begegnung im September 2019 in Russland

Die kommende Begegnung findet vom Freitag 13. bis Sonntag, 22.September 2019 in Wolgograd statt. Alle Schüler, die 2018 einen Gast aufgenommen hatten, haben automatisch die Möglichkeit, 2019 das gleiche Kind in seiner Familie zu besuchen (in Ausnahmefällen kann eine andere Gastfamilie besucht werden). In der Prowo haben die Teilnehmer den Abschiedsabend geplant. Dessen Motto: Die "Kerb". Dazu gehören eine Tombola, eine "Kerbejahrgangs"T-Shirt, Spiele und eine "Kerbedisco". Beim Austausch gibt es die Tradition, dass die Gäste den Abschiedsabend als "Geschenk" für die Gastgeber organisieren mit einem landestypischen Fest- 2017 wurde im September deshalb in Wolgograd die Fastnacht gefeiert.

Heimat erkunden:Wanderung zur Loreley

Die Kosten für den Flug (Aeroflot) mit Umstieg in Moskau betragen (nach einer kurzfristigen tax-Erhöhung) 534 Euro. Da wir jedes Jahr Fördergelder bekommen, werden diese auf die Teilnehmer umgelegt, dadurch kann der Flugpreis ein wenig ermäßigt werden (ca. 30 Euro, die Kostenzusagen mit genauer Höhe erfolgen aber erst kurz vor der Fahrt). Die Kosten für das Visum (30 Euro/ Schüler, sofern sie keinen russischen Pass haben) werden vom Förderverein finanziert. Für die Unterbringung in der Gastfamilie und das Programm zahlen die russischen Gastgeber- sodass nur noch ein Taschengeld eingeplant werden muss. Da der Rubelkurs in den letzten Jahren stark gefallen ist, bekommen Deutsche viele Rubel für ihre Euro (zurzeit 1 Euro=80 Rubel), folglich wird nicht viel Taschengeld nötig sein.

Mit den Russen wurden wir in der Kreisverwaltung von der Landrätin Schäfer empfangen

Wir freuen uns schon auf die abenteuerliche Reise nach Wolgograd!

Da dort im ehemaligen Stalingrad (so hieß die Stadt früher) eine bedeutende, den Kriegsverlauf entscheidende Schlacht zwischen Russen und der deutschen Armee stattfand, werden wir auch vieles über die Geschichte des Zweiten Weltkrieges lernen, aber auch über die Geschichte der Wolgadeutschen, die vor ca. 250 Jahren aus Deutschland vor der Armut an die Wolga auswanderten, nachdem Katharina die Große sie angelockt hatte. Die Teilnehmer werden jeweils Aufsätze zu unterschiedlichen Themen erarbeiten- von der Schuluniform bis zum Interview mit Zeitzeugen bzw. deren Kindern. Natürlich wird auch Spaß und Spiel auf dem Programm stehen, z.B. im Freizeitpark "Belyi weter" mit Hochseilgarten, Kletterturm, Bungeejumping von hohen Bäumen und vieles mehr....

Die Geschichte des Austausches und die bisherigen Begegnungen

Schülerinnen und Schüler des Gymnasiums Nr.4 Wolgograd zeigen stolz ihre Deutsch-Lehrbücher und wollen deutsche Schüler kennenlernen.

Das SMG hat seit 2014 einen Schüleraustausch mit dem Gymnasium Nr.4 in Wolgograd, eine Millionenstadt in Südrussland, unter älteren Menschen auch bekannt unter dem früheren Namen "Stalingrad". Zuvor hatte die im 16. Jahrhundert entstandene Stadt auch den Namen "Zaryzin".
Die erste Begegnung fand mit 15 deutschen und 14 russischen Jugendlichen der 7. bis 10. Klassen im Oktober 2014 in Ingelheim statt.
Der Gegenbesuch in Wolgograd war im September/Oktober 2015. Das war genau 70 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges, deshalb wurde der Austausch unter das Motto "Das deutsch-russische Verhältnis 70 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs" gestellt. Dazu arbeiteten die teilnehmenden Schüler an einem "Austausch-Reiseführer" mit Informationen, Reisetagebuch, Fotos und ihren persönlichen Erfahrungen, der anschließend gedruckt wurde. 2017 hat die deutsche Gruppe diesen zur Vorbereitung ihrer Reise nach Wolgograd genutzt.


Die dritte Begegnung fand wiederum in Ingelheim statt, von 23.9. bis 3.10.2016. Dazu hat das SMG 16 Schülerinnen und Schüler aus Wolgograd mit zwei Lehrerinnen eingeladen. Unser Projekttitel lautete: "Deutschland verstehen durch Auseinandersetzung mit Geschichte". Der Anlass dazu war das 200-jährige Jubiläum unserer Kulturregion Rheinhessen. Folglich haben sich die Austausch-Teilnehmer mit Ereignissen und Persönlichkeiten auseinandergesetzt, die in unserer Region gewirkt haben, so z.B. Sebastian Münster, Karl der Große (Ingelheim), Johannes Gutenberg (Mainz), Martin Luther (Worms).

Die vierte Begegnung war im September 2017, wie immer 10 Tage. Wir wurden von unserem Direktor Herrn Schacht begleitet, der 2015 bei der ersten Russland-Fahrt verhindert war, aber als Geschichtslehrer sehr neugierig auf das ehemalige Stalingrad und stolz auf das "Abenteuer Russland" war. So hat er ein Foto-Tagebuch erstellt, das die Daheingebliebenen in Deutschland aktuell mit Fotos und Informationen versorgte. Wir haben z.B. den "Weltfriedenstag" der UNO kennengelernt, der in Wolgograd feierlich-streng begangen wurde, den aber zuhause kaum jemand kennt....Weil Besuch aus Deutschland so etwas Ungewöhnliches ist, hat ein großer russischer TV-Sender, Kanal 1, unseren Besuch mit einem Beitrag in den Regionalnachrichten gewürdigt.

Von 19. bis 29.Oktober 2018 haben uns dann die Wolgograder Schüler am SMG besucht. Ein Novum war, dass wir neben vielen Ausflügen zusammen in der Lehrküche gekocht haben: Die russischen Gäste durften sich deutsche Spezialitäten wünschen, die alle zuammen dann zubereitet haben: Frankfurter Würstchen, Wiener Schnitzel, Spätzle und vieles mehr. Die  Jugendlichen haben vieles gemeinsam erlebt: Wanderungen, Ausflüge, u.a. zum ZDF und in verschiedene Städte, einen Geburtstag, Klettern, Stadtbummel u.a. in Frankfurt, Unterricht, Alltagsleben in der Familie und mehr. Die AZ hat diese Begegnung in einem Bericht gewürdigt. Einige Fotos der Begegnung in Ingelheim sind hier zu sehen.

Bei allen Begegnungen verfolgt das SMG einen partizipativen Ansatz, d.h. die teilnehmenden Schülerinnen und Schüler organisieren die Austausch-Aktivitäten selbst - dabei werden die Wünsche der Gäste, die Möglichkeiten und Wünsche der Gastgeber abgesprochen und so gut wie möglich in Einklang gebracht. In der Projektwoche werden die Begegnungen besprochen und vorbereitet, z.B. den Ablauf der Exkursionen, die Freizeitaktivitäten und der Empfangsabend.
Übrigens sind Russischkenntnisse dafür erwünscht, aber keine Voraussetzung, denn die russischen Schüler lernen seit der dritten oder fünften Klasse Deutsch. In der Regel nehmen auf deutscher Seite häufig zweisprachige Schüler teil, die innerhalb der Jugendlichen sprachlich vermitteln. Das offizielle Programm dagegen wird von den organisierenden Lehrerinnen übersetzt, sie bieten auch eine "Übersetzungs-Hotline" für Notfälle an. Erfahrungsgemäß ist jedoch die Verständigung selten ein Problem.

Für Schüler, die keine Möglichkeit haben, Russisch als Wahlfach (ab Klasse 9) zu lernen, wird eine Russisch-AG angeboten, wo die russischen Buchstaben und einige grundlegende Ausdrücke erlernt werden.

Der Austausch wird seit Beginn von der Russischlehrerin Bettina Buchner-Naujoks organisiert und zusätzlich von wechselnden Geschichtslehrern begleitet, so Frau Kersandt (2015), Herr Schacht (2017) und Herr Aichroth (2019).

Text : Bettina Buchner-Naujoks, August 2019

Foto: Gymnasium Nr.4 , Wolgograd