Sebastian Münster

Namenspatron des Ingelheimer Gymnasiums


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  Im Jubiläumsjahr 1990 wurde an der Südwand des Erweiterungsbaues von 1975 eine umfangreiche Sonnenuhr angebracht. Darunter eine Malerei "SEBASTIAN MÜNSTER GYMNASIUM".

Zwölf Jahre später droht der Bewuchs beides allmählich zu überdecken: Sebastian Münster muss am SMG neu "entdeckt" werden!

 

Die Sonnenuhr am Sebastian-Münster-Gymnasium

 

Standort:     leicht nach Süd-Ost abweichende Wand

Größe:    ca. 3.00 x 5.00 Meter

Indikationen: Wahre Ortszeit, MESZ, MEZ

Sebastian Münster hat erkannt und in seinem Buch über die Sonnenuhren beschrieben, daß nur ein erdachsparalleler Zeiger während des ganzen Jahres brauchbare Ergebnisse bringt. Hierauf aufbauend hat er, ausgehend von der Grundkonstruktion mit äquatorparallelem Zifferblatt, fast alle Möglichkeiten der Zifferblattkonstruktion auf Wänden, Böden und gewölbten Flächen beschrieben und ihre geometrische Konstruktion in Zeichnungen dargestellt. Diese Zeichnungen wirken auf den heutigen Betrachter aber recht verwirrend, da Sebastian Münster entgegen den heutigen Regeln der darstellenden Geometrie, Seitenansichten, Aufsichten usw. häufig übereinander gezeichnet hat. Die von Sebastian Münster und Albrecht Dürer etwa zeitgleich aufgestellten Regeln der Zifferblattkonstruktion sind aber heute genauso gültig.

 

Zur jetzt angebrachten Uhr

 

Die Uhr zeigt nicht nur die zum Ablesen relevanten Linien, sondern auch die gesamte zur Entwicklung nötige Konstruktion. Auf der rechten Seite ist ein Lotschnitt durch die Zeigerachse gezeichnet (Seitenansicht). Zu sehen ist die Wand, der Zeiger und ein äquatorparalleles Zifferblatt (rot gezeichnet). Dieses Zifferblatt ist in umklappbarer Form unterhalb des Zeigers aufge­zeichnet. Es ist dies die einfachste Form eines Sonnenuhrenzifferblattes, da die Abstände zwischen den einzelnen Stunden je 15° betragen (360° 24 h). Auf diesem Zifferblatt läßt sich leicht ein für den gleichen Standort gültiges Bodenzifferblatt entwickeln (auf den Tafeln blau gezeichnet).

Da die Wand aus der Südlage abweicht, ist das gesuchte Wandzifferblatt aus dem Bodenzifferblatt zu entwickeln. Die Wand ist auf dem Bodenzifferblatt als Aufsicht angedeutet (grün gezeichnet).

Die Schnittpunkte von Wand und Bodenzifferblattlinien sind die Ausgangspunkte für das Wandzifferblatt. Da die XII-Uhr-Linie eine Senkrechte ist, muß das entstehende Zifferblatt wieder in die Senkrechte gedreht werden (grün).

Das jetzt fertige Zifferblatt zeigt allerdings die „wahre Ortszeit“. Das heißt, wenn die Sonne im Süden steht, ist es XII Uhr. Diese Zeit ist für unsere Zwecke recht unbrauchbar, da die mitteleuropäische Zeit 12 Uhr für den Zeitpunkt festsetzt, da die Sonne in Görlitz im Zenit steht.

In Ingelheim ist es dann aber erst 11h 28 min. Ortszeit, bzw. um 12h 32 min. MEZ steht die Sonne in Süden. Die Ziffern für NEZ und MESZ werden also zur Ortszeit versetzt angeordnet.

Die monatlichen Abweichungen, die bis zu 16 min. betragen können, sind nicht berücksichtigt.

Bernd Funk

Aus: INFORMATIONEN Nr. 25, Dezember 1990

 

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