Die
Sonnenuhr am Sebastian-Münster-Gymnasium
Standort:
leicht nach Süd-Ost abweichende Wand
Größe: ca. 3.00 x 5.00 Meter
Indikationen:
Wahre Ortszeit, MESZ, MEZ
Sebastian Münster hat
erkannt und in seinem Buch über die Sonnenuhren beschrieben, daß nur ein
erdachsparalleler Zeiger während des ganzen Jahres brauchbare Ergebnisse
bringt. Hierauf aufbauend hat er, ausgehend von der Grundkonstruktion mit
äquatorparallelem Zifferblatt, fast alle Möglichkeiten der
Zifferblattkonstruktion auf Wänden, Böden und gewölbten Flächen
beschrieben und ihre geometrische Konstruktion in Zeichnungen dargestellt.
Diese Zeichnungen wirken auf den heutigen Betrachter aber recht
verwirrend, da Sebastian Münster entgegen den heutigen Regeln der
darstellenden Geometrie, Seitenansichten, Aufsichten usw. häufig übereinander
gezeichnet hat. Die von Sebastian Münster und Albrecht Dürer etwa
zeitgleich aufgestellten Regeln der Zifferblattkonstruktion sind aber
heute genauso gültig.
Zur
jetzt angebrachten Uhr
Die
Uhr zeigt nicht nur die zum Ablesen relevanten Linien, sondern auch die
gesamte zur Entwicklung nötige Konstruktion. Auf der rechten Seite ist
ein Lotschnitt durch die Zeigerachse gezeichnet (Seitenansicht). Zu sehen
ist die Wand, der Zeiger und ein äquatorparalleles Zifferblatt (rot
gezeichnet). Dieses Zifferblatt ist in umklappbarer Form unterhalb des
Zeigers aufgezeichnet. Es ist dies die einfachste Form eines
Sonnenuhrenzifferblattes, da die Abstände zwischen den einzelnen Stunden
je 15° betragen (360° 24 h). Auf diesem Zifferblatt läßt sich leicht
ein für den gleichen Standort gültiges Bodenzifferblatt entwickeln (auf
den Tafeln blau gezeichnet).
Da
die Wand aus der Südlage abweicht, ist das gesuchte Wandzifferblatt aus
dem Bodenzifferblatt zu entwickeln. Die Wand ist auf dem Bodenzifferblatt
als Aufsicht angedeutet (grün gezeichnet).
Die
Schnittpunkte von Wand und Bodenzifferblattlinien sind die Ausgangspunkte
für das Wandzifferblatt. Da die XII-Uhr-Linie eine Senkrechte ist, muß
das entstehende Zifferblatt wieder in die Senkrechte gedreht werden (grün).
Das
jetzt fertige Zifferblatt zeigt allerdings die „wahre Ortszeit“. Das
heißt, wenn die Sonne im Süden steht, ist es XII Uhr. Diese Zeit ist für
unsere Zwecke recht unbrauchbar, da die mitteleuropäische Zeit 12 Uhr für
den Zeitpunkt festsetzt, da die Sonne in Görlitz im Zenit steht.
In
Ingelheim ist es dann aber erst 11h 28 min. Ortszeit, bzw. um 12h 32 min.
MEZ steht die Sonne in Süden. Die Ziffern für NEZ und MESZ werden also
zur Ortszeit versetzt angeordnet.
Die
monatlichen Abweichungen, die bis zu 16 min. betragen können, sind nicht
berücksichtigt.
Bernd
Funk
Aus:
INFORMATIONEN Nr. 25, Dezember 1990
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