SEBASTIAN
MÜNSTER
aus
der Perspektive des Faches „Bildende Kunst“
- Eine
Anregung -
Es sollte eine gute Sitte an
unserer Schule sein, Sebastian Münster als Unterrichtsthema zu
behandeln. Die Vielseitigkeit und historische Größe unseres
Namensspenders verpflichtet uns. Voraussetzung für die Wertschätzung
dieses wohl berühmtesten Ingelheimers ist die Kenntnis seiner
Leistungen.
Als Kosmograph, Historiker,
Kartograph, Astronom, Mathematiker, Philologe und Theologe ist er in
die Geschichte der jeweiligen Sachgebiete eingegangen. Hier hat es sich
also in den entsprechenden Fächern schon immer angeboten, auf Münster
zu verweisen. Aus der Perspektive des Faches „Bildende Kunst“ jedoch
ist eine Ableitung unterrichtlicher Themen nur indirekt möglich.
Auf zwei Gesichtspunkte soll
eingegangen werden:
1. Sebastian
Münster aus kunsthistorischer Sicht
Münsters wohl größte Leistung,
auf der sein Nachruhm gründet, ist die „Kosmographie“. In einem
Zeitraum von 26 Jahren entstand unter Einbeziehung der Berichte vieler
Gelehrter aus Deutschland und anderen Ländern ein Werk über das damals
bekannte historische und geografische Wissen. Ganz besonders interessant
sind hierbei die über 500 Illustrationen, die später sicher den uns
bekannten Topographen Matthäus Merian (1593 - 1650)
beeinflußten und die ich als „Bilder populärer Landeskunde“
bezeichnen möchte.
Allein die unterrichtliche
Behandlung der hier verwendeten zahlreichen Bildgattungen bzw. -themen
ist eine aufschlußreiche Arbeit. Sie können als typisch neuzeitlich
bzw. renaissance-orientierte Leistung angesehen werden. Im Kontrast zu
mittelalterlichen Werken wird dies besonders deutlich. Bei Sebastian Münster
wird durch die von Hans Rudolf Manuel Deutsch u. a. geschaffene
Holzschnitt-Abbildungen das damals gewandelte Bewußtsein der Menschen
verbildlicht Als ein Beispiel soll hier die Gattung „Landschaft“
herausgegriffen werden.
Ohne
den Aspekt der Farbigkeit berücksichtigen zu können, wie dies etwa
Leonardo da Vinci oder Albrecht Dürer in ihren Landschaftsdarstellungen
taten, zeigen die einfarbigen Holzschnitte der „Kosmographie“
perspektivische, d. h. räumliche Landschaft. Das Bemühen um die
Einordnung der Dinge in den Raum der sichtbaren Welt wird durch die
Summe der eingesetzten wissenschaftlich-künstlerischen Erkenntnisse
deutlich: Linear-, Maßstab-, Umriß- und Oberflächenperspektive.
Auch
die anderen Bildgattungen ließen sich auf ergiebige Weise untersuchen.
Ein Thema im Bereich der Menschendarstellungen könnte lauten: „Das Bild des Menschen in Sebastian Münsters
Kosmographie als ein Beispiel humanistischer Weltanschauung“.
„Holzschnitt-Technik in der
Renaissance“ (Analyse der Kosmographie-Drucke und Vergleich mit Dürers
Holzschnitten), „Das Buchwesen zu Zeit Münsters“ (Druckverfahren
und Schriftgestaltung) und „Die Darstellung der Ingelheimer Kaiserpfalz in
Münsters Kosmographie“ könnten weitere Unterrichtsinhalte sein.
2.
Sebastian Münster aus kunstpraktischer Sicht Münsters Gelehrtenruhm
hat sich durch die Jahrhunderte lebendig erhalten. Wo er neu belebt
wurde, etwa durch Veröffentlichungen, war der Text meist von einem
Bildnis begleitet, zunächst in der Holzschnitt-, später in der Kupferstichtechnik. Karl Heinz Burmeister, ein großer Kenner Sebastian Münsters,
verweist in seinen „Neuen Forschungen zu Sebastian Münster“ aus dem
Jahre 1971 auf insgesamt 10 verschiedene Abbildungen. Die Tatsache, daß
das Bildnis des Ingelheimers die Hundert-Mark-Banknote ziert<e>
(in Anlehnung an ein Gemälde von Christoph Amberger), sei nur am Rande
als vorläufig letzte und elfte Darstellung vermerkt.
Mit diesem Fundus ließe sich nun
aus kunstpraktischer Sicht eine große Anzahl gestalterischer
Zielsetzungen und Themen formulieren, die auf die verschiedenen
Altersstufen der Schüler übertragbar wären. Kennzeichnend für alle
Aufgabenstellungen wäre die Verknüpfung fachtypischer Aspekte mit
dem jeweils erforderlichen Wissen über Sebastian Münster.
Die Maxime der kunstpraktischen
Ziele könnte lauten: „Kopiert, zitiert, verfremdet, kombiniert,
paraphrasiert und umgestaltet bietet
Sebastian Münster vielfältige Anlässe
zur grafischen, malerischen und plastischen Auseinandersetzung“.
Guido
Ludes
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Kunsterzieher am S M G –
aus:
INFORMATIONEN des SMG, 1. August 1974
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