Die Suche nach einem
"klangvollen" Namen
Im
Laufe des Jahres 1950 konnte der Fortbestand der Schule als Gymnasium
als gesichert gelten. Es ist
verständlich, dass man nun auch nach einem „richtigen“ Namen suchte, der
den Charakter eines Gymnasiums besser auszudrücken vermochte.
Von der Gründungsversammlung
eines Fördervereins für die Schule berichtete am 30.10.1950 die
INGELHEIMER ZEITUNG:
„Am
Samstag, dem 28. Oktober 1950, fand im Hotel „Zur Erholung“ die Gründungsversammlung
der „Vereinigung von Freunden und ehemaligen Schülern des
Neusprachlichen Gymnasium Ingelheim“ statt. Die
Vereinigung setzt sich als Ziel, die alten Anhänger der Schule
untereinander und mit der Anstalt selbst in engere Verbindung zu
bringen, durch sie eine Unterstützung der Schule zu erreichen und deren
Bedeutung als Kulturinstitut unserer Stadt zu fördern...
Zum
Schluss wurde von Dr. Büchner, dem Schulleiter, der Vorschlag gemacht, beim Ministerium um die Bewilligung
eines klangvollen Namens für die Schule zu ersuchen. Dass von den
Anwesenden dafür scherzhaft der Name „Multatuli“
(lateinisch: ich habe viel ertragen) vorgeschlagen wurde, rief zwar
allgemeine Heiterkeit hervor, dürfte im Ministerium aber wohl kaum auf
Zustimmung stoßen! Vielleicht ist, wie angeregt wurde, eine Bezeichnung
wie „Karl-Schule“ oder „Carolus-Magnus-Schule“ ein treffender
Name, der gleichzeitig die historische Bedeutung unserer Stadt als
Kaiserpfalz Karls d. Gr. unterstreicht.“
Es ist
interessant, dass unter diesen ersten Vorschlägen Sebastian
Münster nicht genannt wurde, auch nicht von Dr. Büchner! Stattdessen
dachten die Anwesenden - vielleicht wirklich nur „scherzhaft“ - an
Eduard Douwes Dekker, den eigenwilligen und regierungskritischen niederländischen
Kolonialbeamten, der im deutschen Exil in Ingelheim gestorben war und
einen autobiografischen Roman unter dem Pseudonym „Multatuli“
verfasst hatte, und natürlich an Karl den Großen. Nach dessen
bekanntestem Bauwerk in Ingelheim, der Pfalz, heißt heute die
benachbarte Realschule „Kaiserpfalz-Realschule“.
Eine
Entscheidung über einen Namensvorschlag wurde bei dieser Sitzung jedoch
nach dem Bericht der ALLGEMEINEN ZEITUNG vom 31.1050 noch nicht
getroffen.
Möglicherweise
war es StR Dr. Büchner, der letzte Großneffe des Dichters Georg
Büchner und kommissarischer Schulleiter vom 16.10.46 bis zum 31.03.51,
der dann den Vorschlag „Sebastian Münster“ machte.
Entsprechende Aussagen finden sich mehrfach in den
"Informationen" des SMG, so z.B. in Nr. 14, Ostern 1983, von
Dr. Mürtz. Im selben Artikel heißt es auch, der französische
Schuloffizier habe auf einer Namensgebung für die Schule bestanden;
dies kann man aber gewiss nicht mehr für das Jahr 1951 annehmen, zwei
Jahre nachdem die Bundesrepublik als Staat gegründet worden war und
(eine freilich noch beschränkte) Souveränität besaß.
Jedenfalls legte
der Elternbeirat, dessen Vorsitzender der ehemalige Bürgermeister von
Ingelheim und damalige Regierungspräsident von Rheinhessen, Dr. Georg
Rückert, war, diesen Vorschlag der Ingelheimer Stadtverwaltung vor
und der Stadtrat schloss sich ihm mit Beschluss vom 28.02.1951
einstimmig an. In der Begründung verwies Bürgermeister
Dr. Brühne auch auf das 400. Todesjahr Sebastian Münsters, dessen im
folgenden Jahr 1952 gedacht werden würde.
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