Sebastian Münster

Namenspatron des Ingelheimer Gymnasiums


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Die Aneignung des großen Namens (Teil I)

(die 50er und 60er Jahre)

 

 

Über eine offizielle schulische Feier zur Namensgebung ist nichts bekannt. Auch Herr Hans Boehringer, der noch einen weiteren damaligen Klassenkameraden gefragt hat, kann sich nicht daran erinnern (Telefonat am 16.5.02). Möglicherweise wurde die Namensgebung auch durch einen Wechsel in der Schulleitung überschattet: Dr. Büchner schied kurz darauf aus Groll über eine angeblich zwar versprochene, aber ausgebliebene Beförderung mit dem 31. März 1951 aus dem Dienst aus; an seine Stelle trat kommissarisch Studienrat Fleck (mit den Fächern Mathematik und Physik). Er hatte während des Krieges die Schule schon einmal kommissarisch geleitet. Möglicherweise ist aber im nächsten Jahr 1952, als man in Ingelheim des 400. Todestages Sebastian Münsters gedachte, auch in „seiner Schule“ durch eine Gedenkfeier an ihn erinnert worden (so die Allgemeine Zeitung am 25.03.52 in einer Ankündigung). Mit Geldern des Vereins der Ehemaligen wurde damals sogar ein Original-Exemplar der Kosmographie Sebastian Münsters gekauft.

 

Als das Gymnasium, dessen Schülerzahlen stürmisch anstiegen, zwischen 1956 und 1960 endlich in ein neues größeres Gebäude am heutigen Standort umzog, nahm es seinen Namen natürlich mit.

Das Originalexemplar der Kosmographie wurde seit 1956 längere Zeit im Flur des ersten Stockwerkes in einer Vitrine ausgestellt, die Ingelheimer Seiten aufgeschlagen; mittlerweile aber wird es an einem sichereren Ort aufbewahrt.

 

(Exemplar im Rathaus)

 

Neues Gebäude für das Sebastian-Münster-Gymnasium in der Dörrwiese, erbaut eigentlich für eine Volksschule

 

Westansicht mit Haupteingang; rechts hinten das Frauenbild auf dem ersten Erweiterungsbau von 1960 (s.u.), noch ohne den heutigen Realschulbau rechts davon

 

Sehr intensiv scheint die Befassung  mit Sebastian Münster aber in diesen ersten Jahren noch nicht gewesen zu sein. Wahrscheinlich wussten auch die meisten Lehrer noch zu wenig über ihn, denn die  Forschungen von Karl-Heinz Burmeister über diesen berühmtesten Sohn der Stadt (mit finanzieller Unterstützung von Boehringer Ingelheim) waren gerade erst angelaufen. 

Noch auf der Festschrift der Schule zum 75jährigen Jubiläum 1965 wurde als Abbildung nicht Sebastian Münster gewählt, sondern die madonnenähnlich Frauenfigur von Ernst Boltz, angebracht als "Kunst am Bau" auf dem ersten Erweiterungsbau für das Gymnasium (1960) am neuen Standort. Sie birgt zwei Kinder in ihrem Mantel, eine Art "Alma Mater" für Schüler. Es ist eine Mehrschicht-Verputz-Schabarbeit (Sgraffito).

 

Titelseite der

"Festschrift zum 75-jährigen Jubiläum des Sebastian-Münster-Gymnasiums 1890 - 1965"

 

Es findet sich in dieser Schrift allerdings schon ein kurzer Artikel von Lothar Binz, der die wichtigsten Ergebnisse der Forschungen von Karl-Heinz Burmeister aus seiner 1963 veröffentlichten Mainzer Dissertation über Sebastian Münster wiedergibt und schließt:

 

Es ist daher für unser Gymnasium mit dem Schwerpunkt auf den naturwissenschaftlichen Fächern ehrenvoll und verpflichtend zugleich, den Namen eines Lehrers und Forschers zu tragen, der in den Akten der Universität Basel verzeichnet ist als „Seb. Munsterus Ingelheimensis“.

 

Die aufwendige Einladung für den Festakt zum 75jährigen Bestehen, der am 6. November 1965 in der Ober-Ingelheimer Turnhalle stattfand, nahm freilich schon deutlich auf ihren Namenspatron Bezug und schmückte die linke Innenseite mit einer Ablichtung aus der Kosmographie:

 

 

Fortsetzung


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