bili

Bilingualer Unterricht

am Sebastian-Münster-Gymnasium Ingelheim

Das SMG ist „bili” - doch was heißt das eigentlich? Um allen, die nicht an den entsprechenden Informationsabenden dabei sein konnten oder können, die nicht am Tag der offenen Tür ihre Neugier stillen konnten, oder auch ganz einfach aus ganz anderen Gründen wissen wollen, was „bili“ bedeutet, zu helfen, hier Antworten auf einige der häufigsten Fragen.

Bili“ - heißt was?

„Bili“ steht für bilingualer Unterricht, also Unterricht in zwei Sprachen. Am SMG ist das die Kombination Deutsch (klar!) und Englisch.

Auch wenn dieser Name und die entsprechenden Vorschriften des Ministeriums für Bildung nahelegen, dass beide Sprachen gleich viel oder Deutsch doch häufig genutzt wird, sieht die Unterrichtsrealität anders aus: der weitaus größte Teil des Bili-Unterrichts findet in der Zielsprache Englisch statt!

Am SMG werden die Gemeinschaftskundefächer Erdkunde, Geschichte und Sozialkunde „bili“ angeboten – von entsprechend ausgebildeten Lehrkräften.

Äh – und wozu?

Fremdsprachenerwerb funktioniert zum größten Teil über das tatsächliche Sprechen der Sprache. Diese Erkenntnis ist sicher so einleuchtend wie banal und von zahllosen Studien bestätigt. Genau dies soll ja auch der ganz normale Englischunterricht (bzw. Französisch, Spanisch, Russisch am SMG) bewirken.

„Bili“ bedeutet hier gleichwohl zum einen ein MEHR an Sprachumsatz, zum anderen wird Englisch in Erdkunde, Geschichte und Sozialkunde bili einfach als Mittel zum Zweck benutzt, ohne dauernde Grammatikkorrektur und ähnliches aus dem Sprachunterricht bekanntes, so dass die Bili-Schüler einen natürlichen Umgang mit der Sprache erleben: sie arbeiten nämlich einfach an Erdkunde/Geschichte/Sozialkunde-Themen in Englisch, präsentieren, diskutieren usw. - alles ganz einfach in der Fremdsprache.

Dieser weniger künstliche Umgang und die Übung in der Sprache können im späteren Berufsleben hilfreich sein, wo Englischkenntnisse in den allermeisten Branchen selbstverständlich vorausgesetzt werden – hier mit einem flüssigen und natürlichen Umgang aufwarten zu können, ist also durchaus ein Vorteil! Denn: die häufigste Fremdsprache ist … SCHLECHTES Englisch! Und mit Bili hat man da unter Umständen die Nase vorn im Vergleich zu so manch anderem!

Aber – die armen Kleinen! Alles in Englisch?

Da die Bili-Schüler nicht verschreckt, sondern unterstützt werden sollen, setzt der eigentliche Bili-Unterricht erst in Klasse 7 ein. Am SMG geschieht dies mit Erdkunde, das zum Herantasten aufgrund seiner Inhalte und Arbeitsweisen gut geeignet dafür ist.

In Klasse 6 werden interessierte SchülerInnen in einem Vorkurs langsam und spielerisch auf Bili vorbereitet:ohne Notendruck, mit vielen verschiedenen Methoden von Plakaten bis Rollenspielen. Die Inhalte bereiten spielerisch ebenfalls auf die Sachfächer vor und bieten Freiräume, um den jeweiligen Interessen des Kurses entgegenzukommen (von Vulkanen heute zu Pompeji damals, von Regenwald zu Wale, Europa, Nahrungsmittel und ihre Herkunft, Ritter und Burgen und und und).

Dieser Unterricht findet zusätzlich zum normalen statt, darf aber bitte nicht als Nachhilfe oder Zusatzenglisch verstanden werden – dafür sind die Stunden, Methoden und Inhalte nicht ausgelegt und in Englisch sowieso schwächere SchülerInnen würden überfordert.

Und Bili ab 7?

Genau! Am SMG wird zur 7. Klasse eine sogenannte Bili-Klasse gebildet, die in 7 und 8 Erdkunde bili hat, in 9 und 10 Geschichte (diese Stunden sind ganz regulär in den Stundenplan der Klasse integriert, also kein Zusatzunterricht). In der Oberstufe kann Bili als Kurs fortgeführt werden, mit Erdkunde in MSS 11, Geschichte in MSS 12 und Sozialkunde in MSS 13, Krönender Abschluss ist dann bei den allermeisten „Bilis“ eine entsprechende Prüfung beim Mündlichen Abitur, die dann mit allen anderen Bili-Leistungen auf einem Zusatz zum Abiturzeugnis vermerkt wird und unter Umständen bei späteren Bewerbungen bei Universitäten, für Praktika oder Auslandsaufenthalte von Vorteil sein kann.

Wichtig ist noch, dass der Englischlehrer der Bili-Klasse NIE der Sachfachlehrer zugleich ist, sondern Erdkunde/Geschichte/Sozialkunde jeweils von einem Bili-Kollegen unterrichtet werden. Damit soll verhindert werden, dass in Bili der Englischlehrer in der Fremdsprachenlehrerrolle hängen bleibt (und z.B. dauernd die Grammatik korrigiert...), anstatt sich auf das SACHFACH zu konzentrieren – denn Bili ist und bleibt eben z.B. Geschichtsunterricht und auf die Themen und Leistungen in diesem Fach kommt es dann an, nicht ob alles wie im Englischunterricht sprachlich 100% korrekt ist...

Und wenn man es in Englisch nicht versteht?

Gerade wenn man noch nicht im Bili-Zweig ist, eine große Sorge: versteht mein Kind denn alles? Und was, wenn nicht?

Nun – dafür heißt es ja bili! Deutsch kann ebenfalls benutzt werden, alle Inhalte müssen ja sowieso in Deutsch bekannt sein (es macht keinen Sinn, wunderbar in Englisch über die Zeit des Nationalsozialismus diskutieren zu können – aber in Deutsch nicht die entsprechenden Begriffe zu kennen!). Einheiten in Deutsch, Vokabelhilfen, Wörterbuch, ein flexibler Umgang mit den Sprachen im Unterricht sorgen schnell dafür, dass es läuft!

Zudem verfügen wir in der Mittelstufe über entsprechende Bili-Schulbücher, die alles notwendige enthalten, um gut zurecht zu kommen.

Und wer „darf“ in „Bili“?

Bili-Unterricht ist, das kann man nicht verleugnen, eine anspruchsvolle Art des Unterrichts, und zudem mit etwas mehr Arbeit verbunden (z.B. 2 zusätzliche Stunden im Vorkurs). Daher sollten interessierte SchülerInnen Spaß am Lernen haben, Freude am Herausfinden von Neuem mitbringen und natürlich gerne in und mit der Sprache Englisch arbeiten.

Durch die Art des Vorkurses zeigt sich meist recht schnell, wer mit der zusätzlichen Belastung umgehen kann, gerne neues erarbeitet und präsentiert und das alles ohne Notendruck!

Darüber hinaus entscheidet eine Auswahlkonferenz am Ende von Klasse 6 (Stufenleiter, Klassenleiter, Englischlehrer, Bili-Vorkurs-Lehrer), welche SchülerInnen, die sich für die Bili-Klasse beworben haben, tatsächlich zugelassen werden. Grundlage sind zum einen die Leistungen in den Hauptfächern, insbesondere natürlich Englisch, und Erdkunde, zum anderen aber eben auch die anderen Eigenschaften der SchülerInnen (siehe oben). Nicht jeder, der ein „sehr gut“ im Englischunterricht erreicht, ist automatisch ein geeigneter „Bili“.

Die Teilnahme am Vorkurs sowie der Bili-Klasse, wenn man sich jeweils dafür angemeldet hat, ist übrigens verbindlich! D.h. ein „Reinschnuppern“ in z.B. den Vorkurs und ein Austritt z.B. nach Weihnachten sind NICHT möglich (in den meisten Fällen liegt auch keine Überlastung vor, sondern Unlust wenn sich ein Kind z.B. entschieden hat, doch nicht in die Bili-Klasse zu wollen). In der Oberstufe ist es möglich, dass SchülerInnen, die aus dem englischsprachigen Ausland zurück ans SMG kommen, in den Bili-Kurs zugelassen werden.

Jan Streda